NEWS

Eröffnung: Freitag, 24. August
Ausstellung:
25.8. - 4.11.2018

Universität Zürich in der Kunsthalle Zürich

 

DRAWING PART 4 LOKAL 14, Anna-Heer-Strasse 14, 8057 Zürich
23.Februar bis 24. März 2018

Elisabeth Eberle
Othmar Eder
Judith Peters

UNTERTAGE im Waldhuus
best of visarte zuerich & guests
Guests: Corner College, Die Diele, Kunsthaus Aussersihl, The Museum of the Unwanted
Konzept/Kuration: Daniela Minneboo & Sandra Oehy
Ausstellung: 10. Dezember 2017 – 7. Januar 2018
Öffnungszeiten: Do + Fr 16-19 Uhr / Sa 14-17 Uhr
Finissage: Sonntag, 7. Januar 2018, 14-17 Uhr

 

wooden objects covered with graphite by contemporary swiss artist Elisabeth Eberle

 

 

Ausstellung NOLI ME TANGERE (solo) bis 23. Dezember 2017 im Kunstraum Johanniterkirche, Feldkirch , Oesterreich: 

English version see below!

 

Elisabeth Eberle – NOLI ME TANGERE
Cynthia Gavranic, Kunsthistorikerin Zürich
 
„Ich interessiere mich für die Problemstellung, was geschieht, wenn augenscheinlich ‚natürliche’ Objekte in künstlichen Verfahren hergestellt werden und dadurch die Grenzen zwischen diesen kulturellen Determinanten verwischen.“ Elisabeth Eberle                                                      
 
Der Ausstellungstitel Noli me tangere (lat., Berühre mich nicht) in der Johanniterkirche Feldkirch
evoziert sein exaktes Gegenteil: Die erratischen Objekte von Elisabeth Eberle lösen den Impuls aus, sie abzutasten und ihre Beschaffenheit zu ergründen. Die starke Assoziationskraft der Arbeiten führt dazu, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, denn die Objekte wirken wie ein Rorschachtest oder unser eigenes Spiegelbild, das wir selbst interpretieren müssen - eine Erfahrung, die gleichsam Faszination und Unbehagen auszulösen vermag. 
Die Schweizer Künstlerin befasst sich in ihren Rauminstallationen, Skulpturen, Zeichnungen, Foto- und Videoarbeiten mit dem Spannungsverhältnis zwischen natürlichen und digitalen Prozessen. Sie analysiert mittels neuester Technologien wie Virtual-Reality-Brillen, 3D-Modellierprogrammen, Scannern und Druckern sowohl die vielfältigen Möglichkeiten heutiger Bildentstehung als auch die Veränderung von visueller Wahrnehmung.
Elisabeth Eberles Ausgangsmaterial stammt im Kontrast zur Technik oft direkt aus der Natur: In Gärten und Parks sammelt sie Früchte des Magnolienbaums und lässt sie in ihrem Atelier durch verschiedene Alterungs- und Reifestadien gehen. Die unterschiedlichen Entwicklungsphasen protokolliert die Künstlerin, indem sie die Pflanzenobjekte in Latex oder Gips abgiesst und dreidimensional einscannt. In einem weiteren Schritt werden die Früchte dank Bildbearbeitungsprogrammen mutiert und manipuliert. Zwischen 2012 und 2016 entsteht auf diese Weise die 3D-Datenbank depending on plants catalog, ein digitales Herbarium, welches mittlerweile über hundert Dateien umfasst. Das Vokabular der botanisch-digitalen Objekte oszilliert zwischen amorph-organischen und kristallin-kubistischen Formen, welche die Künstlerin zu zwei- oder dreidimensionalen Arbeiten weiterentwickelt und so wieder in den realen Raum zurückführt. 
In der Ausstellung in der Johanniterkirche Feldkirch präsentiert Elisabeth Eberle eine Skulpturen-Serie ihrer rätselhaften Magnolienfrüchte. Der Ausstellungstitel Noli me tangere beinhaltet ein komplexes System von Verweisen, er kann sakral oder profan interpretiert werden. „Noli me tangere“ ist der Ausspruch des auferstandenen Jesus Christus zu Maria Magdalena, die das Grab am Ostermorgen leer vorfindet und Jesus zunächst für den Gärtner hält. In der Botanik wird das Grosse Springkraut auch „Noli me tangere“ oder „Impatiens noli-tangere“ bezeichnet. Museale Institutionen schliesslich suchen ihre Kunstwerke mittels des Hinweisschildes „Bitte nicht berühren“ zu schützen. Gemeinsam ist allen möglichen Leseweisen folgendes Moment: „Was geschähe, wenn man das Gebot missachtete?“ In diesem Raum des Ungewissen und Beunruhigenden eröffnet sich Elisabeth Eberles Arbeit.
Sämtliche gezeigte Werke werden in digitalen Verfahren hergestellt und variieren in Grösse sowie Beschaffenheit. Während die Bodenobjekte aus mit Graphitstaub überzogener Eiche rund 1 bis 1,7 m messen und bei Berührung zu stark verschmutzten Händen führen würden, besteht die an ein Perpetuum Mobile erinnernde Installation in der Sakristei aus 17 cm langen mit Latex überzogenen Nylonmodellen. Diese dürfen ungeachtet des Ausstellungstitels berührt werden und führen zu einer haptischen Sinneserfahrung. Das Spiel mit den Dimensionen verändert die Wahrnehmung der Magnolienfrüchte auf verblüffende Art: hier erinnern sie an verkohlte Körper mit hypertrophen Muskelsträngen in unnatürlicher Torsion, da an Handschmeichler mit erotischen Konnotationen. Formal lassen die grossformatigen Skulpturen an Werke von Louise Bourgeois denken, die eine analoge Spannung zwischen äusserlichem und allusivem Aspekt beinhalten. Der Kirchenraum der Johanniterkirche rekontextualisiert die liegenden Objekte von Elisabeth Eberle zudem auf einer ortspezifischen Ebene, denn einerseits treten sie in den Dialog mit dem Corpus Christi des Kruzifixes im Hochaltar, andererseits scheinen sie archäologische Funde zu sein, wovon der offene Kirchenboden der Ausgrabungen der 1980er Jahre zu zeugen vermag.
 
Elisabeth Eberle ist ein Universalmensch im Sinn der Renaissance. Ausgebildet in der Wissenschaft der Pharmazie erforscht sie künstlerisch den Diskurs zwischen Natur und Kultur. Neben dem Wechselspiel zwischen virtuellem und haptischem Erfassen der Dinge spielen das Verhältnis von Konstruktion und Intuition sowie Zufall und präziser Berechnung eine ebenso zentrale Rolle in ihrem Werk. Das stetige prozesshafte Weiterentwickeln von Formen der Natur mittels technologischer Medien bildet für die Künstlerin letztlich die Basis des Begreifens einer Rückkopplung der digitalen Welt auf unsere Gesellschaft.

Vernissage: Freitag, 20. Oktober 2017, 20 Uhr

Führung mit der Künstlerin: Sonntag, 19. November 2017, 11 Uhr 

Dauer der Ausstellung 21. Oktober bis 23. Dezember 2017 

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Samstag 10 bis 14 Uhr 

noli me tangere is a contemporary art exhibition by Elisabeth Eberle at art space Johanniterkirche, Feldkirch, Austria.
Handschmeichler is an art installation by swiss artist Elisabeth Eberle that invites the visitors to touch the art.

English version:  

Elisabeth Eberle – NOLI ME TANGERE 
Cynthia Gavranic, art historian, Zurich
 
 
"I am interested in the problem of what happens when ostensibly 'natural' objects are produced using artificial methods, thus blurring the boundaries between these cultural determinants."
          Elisabeth Eberle
 
 
The title of the exhibition Noli me tangere (Latin for "do not touch me") at Johanniterkirche Feldkirch evokes its exact opposite: the erratic objects by Elisabeth Eberle trigger an impulse to feel them and to explore their properties. These works' strong power of association prompts questioning of one's own perception because the objects come across like a Rorschach test or our own reflection, which we have to interpret for ourselves – an experience that can, in a way, provoke fascination and unease.
In her room installations, sculptures, drawings, photographic works and video works, this Swiss artist addresses the charged relationship between natural and digital processes.
She uses the latest technologies, such as virtual reality headsets, 3D modeling programs, scanners and printers, to analyze the manifold possibilities of contemporary image production, as well as the alteration of visual perception. In contrast with this technology, Elisabeth Eberle's source material often comes directly from nature: she gathers the fruit of the magnolia tree in gardens and parks, then lets it progress through various stages of ageing and ripening in her studio. The artist records the different developmental phases by casting the plant objects in latex or plaster and scanning them three-dimensionally. In an additional step, the fruit is mutated and manipulated with the aid of image-processing programs. The 3D database depending on plants catalog, a digital herbarium that now includes over a hundred files, was created in this manner between 2012 and 2016. The vocabulary of the botanical-digital objects oscillates between amorphous-organic and crystalline-cubist forms, which the artist develops further to produce two-dimensional or three-dimensional works, thus leading them back into the real space. 
In the exhibition at Johanniterkirche Feldkirch, Elisabeth Eberle presents a series of sculptures of her enigmatic magnolia fruit.
The exhibition's title, Noli me tangere, encompasses a complex system of references, enabling both religious and secular interpretations: "Noli me tangere" is what the resurrected Jesus Christ said to Maria Magdalena when she found his tomb empty on Easter morning and initially mistook Jesus for the gardener; in botany, the touch-me-not balsam is also called "noli me tangere" or "impatiens noli-tangere"; and finally, museum institutions seek to protect their artworks with warning signs bearing the words "Please do not touch". One element that all these possible readings have in common is the question: "What would happen if the instruction were to be ignored?" This realm of the uncertain and unsettling is where Elisabeth Eberle's work opens up.
All exhibited works are made using digital processes and vary in terms of size and properties. The floor objects, made of oak and coated with graphite powder, are around 1 to 1.7 m across and would cause any hands that touch them to get very dirty, whereas the installation in the vestry, reminiscent of a perpetual motion device, consists of nylon models that are 17 cm long and covered with latex. Touching these is permitted, despite the exhibition title, resulting in a haptic sensory experience.
The dimensions are played with, intriguingly altering perception of the magnolia fruit: at one point, they resemble charred bodies with hypertrophic muscle strands undergoing unnatural torsion, while at another point, they bring to mind soothing handheld items with erotic connotations. With regard to form, the large-format sculptures are evocative of works by Louise Bourgeois, which involve an analogous tension between external and allusive aspect. In addition, Johanniterkirche's church interior recontextualizes Elisabeth Eberle's lying objects on a site-specific level because, on the one hand, they enter into a dialog with the Corpus Christi on the crucifix in the high alter while, on the other hand, they appear to be archeological finds, to which the exposed church floor from the excavations conducted in the 1980s can bear witness.

Elisabeth Eberle is a universal person, in a Renaissance sense. Educated in the science of pharmacy, she artistically researches the discourse between nature and culture. Alongside the interplay between virtual and haptic comprehension of things, the relationships that exist between construction and intuition, and between chance and precise calculation play an equally central role in her oeuvre. For this artist, constant processual further development of forms from nature via technological media ultimately provides the basis for understanding a backcoupling from the digital world to our society.
 
noli me tangere is a contemporary art exhibition by Elisabeth Eberle at art space Johanniterkirche, Feldkirch, Austria.